"Messer" tomik poezji -Till Lindemann

Das tote Meer in meinem Fleisch
hat geboren einen Hafen
jeden Tag zur gleichen Zeit
legt sie an um mich zu strafen
mit einer sterbenden Galeere
die Lerche mit der weissen Haube
ich wurde toten dass sie bei mir ware
doch hat sie Schnabel gleich dem Greif
und Fange scharf wie eine Schere

Sie wirft Anker und wird singen
entzwei mein Schiffchen aus Papier
schneidet es mit edlen Klingen
schreit sich zu kalteren Gewassern
es sinkt und niemand singt mit mir
und darum hab ich Angst vor Messern

Das Schiffchen blutet aus dem Mast
in die Brust der Grossmama
und wenn ihr nachts die Sonne scheint
ist jemand da der mit ihr weint
wir treiben kalt auf Augenschauern
hungerfroh in schweren Fassern
sie schneidet tief um mich zu essen
und darum hab ich Angst vor Messern

Und wenn mir nachts die Sonne scheint
ist niemand da
der mit mir weint

"Nele"

Tu das nicht
faß das nicht an
weil man sich verbrennen kann
tu das nicht
ach laß es sein
es tut weh und du wirst weinen

Man ißt von Speisen
die verdarben
und achtet Schimmel nicht
und nicht Gestank
und leckt das Feuer aus geplatzen Narben
und weiß am Ende man ist Krank
paß bloß auf
Oh tu es nicht
ach laß das sein
meine Angst um dich so groß
gesalbt in Worte wirkt sie klein
doch der Rost auf meinem Balg
soll dir Gold und Silber sein

Mein Kind daß dir kein Leid geschieht
ich würde Scheiße fressen
ich würde Eiter saufen
würd mir den Arsch versilbern lassen
dir von dem Silber Puppen kaufen
paß bloß auf
tu das nicht
oh laß das sein
mußt nicht frieren um zu spüren
die Krankheit kommt von ganz allein
nur Götter dürfen dich berürhen
und auch dann werde ich bei dir sein
dann werd ich bei dir sein
werde bei dir sein

"Tod nach Noten"

geboren in Bedrangnis
und an eine Sau gelegt
den Zitzen zum Ohren
so offen Argernis erregt
gealtert in Vergangnis
Tod dei Dank nicht neugeboren

Doch selig sind die Toten
die krepiert sind auf gerahmten Noten
verglaste kleine Geister
wuhlen in Seelen
grosser toter Meister
ein Walzer der Idioten
der Herzschlag gibt den Takt
so sterben wir nach Noten

"Ich weiß"

nicht warum ich spät aufstehe
warum ich so früh schlafen gehe
auf das eigene Geheiß
bin ich einsam mit viel fleiß
so leb ich schon zu viele Jahre
doch bin zu jung noch für die Bahre
bin ein halb vergorener Wein
ein schwerer Tisch auf einem Bein
nicht Fisch und ohne Wasserland
so halt ich gern die junge Hand
doch Jungblut achtet mich nicht mehr
hab keine Kugel im Gewehr
muß mich mit altem Fleisch begnügen
mich mit der eigenen Frau betrügen
das Alter schläfte mir auf den Schläfen
ich kauf das Glück mir in der Häfen
wer nicht schön ist muß schön leben
Schönheit war mir nie gegeben

"Komm ich koch dir eine Suppe"

Komm ich koch dir eine Suppe
aus Wünschen einer Sternenschnuppe
aus Küssen und aus Schenkelschweiß
aus Tränen unterm Steiß
ich krümm dir jedes Häärchen
werf meinen Anker in dein Meerchen
und tief in meinem Seelenschrein
kerker ich dein Bildnis ein
will es in mein Herzen zerren
es tief in meinen Körper sperren

"Guten Morgen"

Er stieg aus dem Bett
ging in den Badeort
sah sehr lange in den Spiegel
dann schnitt er sich auf
und legte sich unter einen Tisch zum Sterben

Er sei sagte das Madchen
viel zu alt fur sie

"Grossmutter"

Ich lieg bei dir auf einem Bein
im bettgestellten Totenschrein
ewig kommst du nicht zur Ruh
ich sehe dir beim Sterben zu
doch schuttelt mich die Langeweil
ich fessel dich mit Wascheseil
bis in den Tod soll ich dich lieben
muss erst das Fett nach oben schieben
dann leg ich mich auf deine Haut
ich bin im Takt das Bett ruft laut
bald stopfe ich das Schossgedicht
mit einer Handvoll Falten dicht
Steiss und Rucken reiben wund
und etwas fallt dir aus dem Mund
ewig kommst du nicht zur Ruh
ich nah dir Mund und Augen zu
die Nase die vom Atmen trocken
schliesst eine Klammer fur die Socken
du hast gar nichts zu vererben
da sollst du etwas schneller sterben
dein Herz schlagt schwach
mein Herz schlagt laut
das Leben springt dir von der Haut
so will ich bis zum Leichenstein
dein lieber braver Enkel sein

"Fausthaus"

Jede Nacht zur selben Stund
streift ein Knabe meinen Traum
Hält mir sein Pferdchen vor den Mund
ich führ es liebevoll am Zaum

Das Tier gar prächtig im Geblüt
ist seinem Herren gleich von Adel
hat Stamm im edelsten Gestüt
ja die Dressur frisst jeden Tadel

Der Jüngling wirft mein Lob aufs Bett
schämt leise Mißgunst in die Ecken
wirft seine Sterne aus dem Etikett
und schlägt sie in den schönen Schecken

Das Pferdlein bäumt sich vor mir auf
der Jüngling will sich weiter schämen
Maulschaum tropft vom Vorderlauf
ich sitzte auf und kann es zähmen

In seinen Flanken schläft der März
und seine Mähne lockt verwirrt
zeigt mir den Platzt in meinem Herz
an den sich keine Frau verirrt

"Für Conrad Ferdinand Meyer"

Zitternd laß ich das Gedicht
der Dichter ist tot.
laut ruf ich seinen Namen
und hatte Brunnen im Gesicht

Es ist zu kostbar für Papier
was da gefangen stand auf gilbem Grund
trieb mir das Wasser aus den Knochen
ein Manifest der Sinnengier.

Gern würde ich seinen Schatten betten
ihn belauschen wenn er spricht
befreien ihn vom untot sein
und meine eigne Seele retten.

Der Dichtor ist tot doch
las ich jede Zeile
trieb mir den Wortgeglühten Keil
in mein gerahmtes Seelenheil

Ach hätte Muse mir verratten
wie man solche Worte fängt
ich wär gereist durch alle Himmel
und hätte Sonnen aufgehängt.

"Auf dem Friedhof"

Als mein Vater noch lebte
erzählte er gerne so eine Kriegsgeschichte
ein Granatsplitter wäre durch den Leibrock in seinen Rücken gegangen
und man hatte ihn nicht entfernen können
sei zu dicht am Rückgrat
mit den Jahren sei das Schrapnell zwischen den Schultern gewandert
in einer großen Eitertasche
ich bin müde mir ist übel
und ich hab das Ding immer noch nicht gefunden

"Auf dem Friedhof (2)"

Gefunden
ein großes Stück Metall
ganz schwarz
ich werde mir einen Brieföffner daraus ziehen
bin wieder gut

Sie erzählen man hätte das Gram einer Wöcherin geöffnet
und gar grausig hinterlassen

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